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Gebissener Wachenbrunner nicht verbissen

Wellenreiter Greger Überraschungssieger beim SCC-Cross vor dem Lokalmatador

08.11.1999

Eigentlich wäre Thomas Greger jetzt viel lieber auf Hawaii oder in Kuba. Denn nicht die Leichtathletik, sondern das Wellenreiten ist sein erklärter Lieblingssport. Da er es im Wasser aber noch nicht so weit gebracht hat, dass er Einladungen zu den lukrativen Wettbewerben erhält, verbrachte Thomas Greger den Sonntag Mittag auf dem Maifeld. Auch hier gab es beim traditionellen Crosslauf des SC Charlottenburg eine Art Welle als Hindernis. Vom Rasen des Maifeldes ins Reiterstadion und wieder zurück galt es, einen An- beziehungsweise Abstieg zu meistern. Damit hatte Thomas Greger kein Problem. Der 27-Jährige vom ABC Ludwigshafen gewann das Rennen mit insgesamt 1043 Läufern aus sieben Nationen. Für die 8030 Meter lange Strecke benötigte Greger 22:36 Minuten und lag damit vor zwei Berlinern: Lokalmatador und Vorjahressieger Rainer Wachenbrunner (LG Nike) wurde Zweiter in 22:39 vor Mirka Arndt (SCC/22:42).

Auch bei den Frauen gewann eine Außenseiterin den Auftakt der Cross-Cup-Serie des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): Michaela Möller (Ratio Münster) sicherte sich wie Greger die 1000-DM-Siegprämie. Sie benötigte für die 4000-m-Distanz 11:08 Minuten. Die 26-jährige B-Kader-Athletin über die 10.000-m-Strecke gewann souverän vor Maren Östringer (TSG Wiesloch/11:40). Beste Berlinerin war die Juniorin Angela Hänsel (LG Nike/12:04) auf Rang neun.

"Eigentlich war Rainer heute der stärkere Läufer, aber er hat die Führungsarbeit geleistet, während ich mich während des gesamten Rennens zurückgehalten hatte", sagte Thomas Greger. Für Wachenbrunner, der vor einem Jahr die Cross-Cup-Serie gewonnen hatte, war der gestrige Auftakt jedoch nur ein besserer Test. "Es war mein erster schneller Lauf seit zwei Wochen", erklärte der Berliner, der vor gut 14 Tagen Pech hatte, weil er während eines Trainingslaufes von einem Schäferhund in den linken Knöchel gebissen wurde. "Ansonsten wäre ich wohl beim Frankfurt-Marathon gestartet", sagte Rainer Wachenbrunner, der sich dort ursprünglich für den olympischen Marathon in Sydney qualifizieren wollte. Olympia wäre für den 36-Jährigen noch einmal ein großes Ziel, doch wenn es nicht klappt, nimmt er aus nicht tragisch: "Ich sehe das nicht mehr so verbissen."

Als "großes Talent" bezeichnete Wachenbrunner Thomas Greger. Doch der Sieger hat mit Olympiaqualifikationen oder ähnlichen Zielen nichts im Sinn. Zwar sagt er, "ich laufe so schnell es geht", doch es geht ihm in erster Linie um den Spaß. Das hat auch damit zu tun, dass er vor zehn Jahren, als er mit dem Laufen begann, vom damaligen Bundestrainer bei einer Sichtung aussortiert worden war. "Ich sei nicht tauglich für Spitzenleistungen wurde gesagt", erzählt Greger. Der Lehramts-Student möchte die Funktionäre nun mit seinen Leistungen eines besseren belehren und sagt: "Laufen müssen schließlich die Läufer und nicht die Leute, die von außen dirigieren. Wir sitzen am längeren Hebel."


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